Altersarmut ist kein Randphänomen – sie betrifft viele Frauen auch mitten in Würzburg. Beim offenen Treff des Projekts „Frauen in Not“ des Zonta Club Würzburg Electra berichten Betroffene im Café Senza Limiti von einem Leben mit wenig Geld, großem Verzicht und oft auch Einsamkeit.

(es fehlen: G. Hörner und C. Schiffer)
„Mein Mann meinte, Arbeiten sei nichts für Frauen“, erzählt Ingeborg T. (Name geändert). Sie war nur kurze Zeit berufstätig. Heute lebt die 80-Jährige von rund 800 Euro Rente im Monat. „Das reicht hinten und vorne nicht“, sagt sie.
Sparen bis zur Selbstverleugnung
Sparen verbindet die Frauen am Tisch. „Im Winter trage ich zu Hause eine Strickjacke“, berichtet Ingeborg T. Noch drastischer schildert Birgit V. (59) ihre Situation: „Ich habe zwei Winter lang gar nicht geheizt.“ Die gelernte Erzieherin ist seit mehr als zwei Jahren krank und lebt von Transferleistungen – ein Alltag, der von Unsicherheit geprägt ist.
Ein Ort der Begegnung und Entlastung
Die Treffen im Café Senza Limiti bedeuten für die Frauen eine kurze Auszeit von Armut und Isolation. Kaffee und Kuchen werden über Gutscheine aus dem Nothilfefonds des Zonta Club Würzburg Electra finanziert. Das Projekt „Frauen in Not“ besteht seit zehn Jahren, der Fonds wird von der Stadt Würzburg verwaltet. Seit diesem Frühjahr gibt es zusätzlich Unterstützungsangebote für Alleinerziehende.
Mehr Frauen – als man denkt – sind betroffen
Dass Altersarmut bei Frauen zunimmt, bestätigt PD Dr. Elisabeth Jentschke, Mitbegründerin des Projekts: „Mehr Frauen als man denkt, sind betroffen – und es werden immer mehr.“ Die steigende Nachfrage nach Hilfe zeige deutlich, wie groß der Bedarf sei.
Häufig markieren Scheidung oder Krankheit den Beginn einer Abwärtsspirale, so Jentschke. Der Arbeitskreis „Frauen in Altersarmut“ versucht, das Leid zumindest abzumildern – durch Begegnungen, Gespräche und konkrete Unterstützung.
Altersarmut ist kein fernes Problem
Wer die Frauen beim Kaffee zusammensitzen sieht, ahnt nichts von ihrer Not. Doch jede von ihnen muss auf vieles verzichten. Altersarmut ist kein abstraktes Zukunftsthema – sie ist Realität in Würzburg. Zugleich informiert der Arbeitskreis darüber, wie wichtig es ist, dass sich insbesondere junge Frauen frühzeitig mit Erwerbsarbeit, finanzieller Absicherung und Altersvorsorge
beschäftigen, um Armut im Alter vorzubeugen.
